Gewerkschaften erhöhen vor dem 1. Mai in Sachsen den Druck auf Politik und Wirtschaft

04.05.2026


In Sachsen stellen sich Gewerkschaften und Parteien auf einen deutlich belebteren Tag der Arbeit ein. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) organisiert am 1. Mai Demonstrationen, Kundgebungen und weitere Aktionen in 18 Städten, darunter Dresden, Leipzig, Chemnitz, Görlitz und Plauen. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach sicheren Arbeitsplätzen und besseren Arbeitsbedingungen. Bereits im vergangenen Jahr waren landesweit rund 23.000 Menschen auf die Straße gegangen, diesmal rechnet der DGB angesichts der aufgeheizten Debatte über den Sozialstaat mit einem spürbaren Plus.

Der Dachverband stellt seine Aktivitäten unter das Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“. Die Botschaft zielt klar auf die Verteilung von Lasten in wirtschaftlich angespannten Zeiten. In seinem Aufruf betont der DGB, Beschäftigte dürften nicht für Krisen oder Fehlentscheidungen verantwortlich gemacht werden. Vielmehr seien sie es, „die täglich den Laden am Laufen halten“. Entsprechend fordern die Gewerkschaften, Arbeitsplätze stärker zu sichern und Investitionen in die Zukunft auszubauen.

Die Diskussionen über den Sozialstaat verschaffen den Kundgebungen zusätzliche Dynamik. Eine Sprecherin des DGB in Sachsen führt die erwartete höhere Beteiligung ausdrücklich auf diese Auseinandersetzungen zurück. Für die Gewerkschaften bietet die aktuelle Lage eine Gelegenheit, ihre Kernforderungen nach verlässlicher Beschäftigung, planbaren Einkommen und zeitgemäßen Arbeitsbedingungen mit größerer Reichweite zu platzieren und den Druck auf Politik und Unternehmen zu erhöhen.

Parallel zu den gewerkschaftlichen Aktionen nutzen auch Parteien den 1. Mai als politische Bühne. In Dresden wird der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla zu einer Veranstaltung auf dem Neumarkt erwartet, wie der Landesverband mitteilte. Zudem haben SPD und Linke nach Angaben der Stadtverwaltung eigene Veranstaltungen angemeldet. Damit dürfte der Tag der Arbeit in Sachsen nicht nur ein Gradmesser für die Mobilisierungsfähigkeit der Gewerkschaften werden, sondern auch ein Seismograf für die parteipolitischen Auseinandersetzungen um die künftige Ausrichtung von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

Deutscher Aktienmarkt trotzt Unsicherheit – Auto-Werte unter Druck

04.05.2026


Der deutsche Aktienmarkt ist nach dem verlängerten Wochenende mit leichten Gewinnen in den Mai gestartet. Der Dax notierte wenige Minuten nach Xetra-Eröffnung am Montag 0,14 Prozent höher bei 24.328 Punkten und knüpfte damit an die kräftige Erholung vom vergangenen Donnerstag an. Bereits der vorbörsliche X-Dax hatte auf einen freundlichen Start hingedeutet und lag rund eine Stunde vor Handelsbeginn 0,35 Prozent im Plus bei 24.377 Punkten.

Am letzten Handelstag vor dem Feiertag hatte der Leitindex mit einer deutlichen intraday-Trendwende das angeschlagene Chartbild aufgehellt. Nach einem Start am Tagestief von 23.715 Punkten gewann der Dax im Verlauf fast zweieinhalb Prozent und schloss auf Tageshoch. Der MDax der mittelgroßen Werte setzte die Erholung am Montag mit einem Plus von 0,77 Prozent auf 30.826 Zähler dynamischer fort, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 leicht im Minus lag.

Die Stimmung bleibt dennoch fragil. Marktteilnehmer beobachten weiter die Entwicklung im Nahost-Krieg, die Ölpreisentwicklung und insbesondere die Lage rund um die Straße von Hormus. Die Situation habe sich über das Wochenende „nicht wesentlich verbessert, aber auch nicht wesentlich verschlechtert“, sagte Andreas Lipkow von CMC Markets. Die Nachrichtenlage sei nach wie vor undurchsichtig, was die Risikobereitschaft der Investoren bremse.

Zusätzlichen Druck erhält der Markt von der Handelspolitik der USA. US-Präsident Donald Trump kündigte auf seiner Plattform Truth Social eine deutliche Anhebung der US-Zölle auf Fahrzeuge aus der EU an und zielte dabei besonders auf Europa und Deutschland. Die EU-Kommission behält sich Gegenmaßnahmen vor, sollte Washington die Pläne umsetzen. An die Rhetorik Trumps haben sich Anleger indes ein Stück weit gewöhnt: Laut Jens Klatt vom Broker XTB waren frühere Zolldrohungen häufig Teil der Verhandlungsmasse oder wurden im Zeitverlauf angepasst. Er hält auch diesmal rasche bilaterale Gespräche zwischen den USA, der EU und deutschen Herstellern für wahrscheinlich.

Ungeachtet dieser Einordnung standen Autoaktien zum Wochenauftakt unter Druck. BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen wurden im vorbörslichen Handel auf Tradegate unter ihren Xetra-Schlusskursen vom vergangenen Donnerstag gesehen und galten auch im Dax als Belastungsfaktor. Die Kombination aus geopolitischen Risiken, unsicherer Handelspolitik und sektorbezogenen Zolldrohungen dürfte den Sektor vorerst volatil halten, selbst wenn der Gesamtmarkt zum Start in den Mai einen überwiegend freundlichen Ton anschlägt.